TornadoSo sieht ein Tornado aus der Nähe aus.

Wie entsteht ein Tornado? Die wilden Rüsselstürme einfach erklärt

Stell dir vor, am Himmel braut sich ein dunkles Gewitter zusammen. Plötzlich bildet sich an der Unterseite der Wolke ein dicker, grauer Schlauch. Er dreht sich rasend schnell im Kreis, wandert über die Erde und wirbelt alles durcheinander, was ihm in den Weg kommt. Das ist ein Tornado! Aber wie genau entsteht so ein Rüsselsturm und was macht ihn so gefährlich? Wir erklären es dir ganz einfach.

Was ist ein Tornado?

Ein Tornado ist ein riesiger, wild wirbelnder Luftschlauch. Er fängt oben in einer riesigen Gewitterwolke an und reicht ganz runter bis zum Erdboden. In Deutschland nennen Forscher ihn manchmal auch Windhose. Wenn so ein Wirbel über das Meer zieht, heißt er Wasserhose. Das wichtigste Erkennungsmerkmal ist die Trichterwolke – so nennen Meteorologen (das sind die Wetterforscher) den rotierenden Rüssel, der aus der Wolke herabhängt. Erst wenn dieser Rüssel den Boden berührt, ist es ein echter Tornado.

Ein Tornado weütet.
Ein Tornado weütet.

Wie entsteht ein Tornado?

Damit ein Rüsselsturm überhaupt entstehen kann, muss das Wetter vorher so richtig verrücktspielen. Meistens passiert das bei einer riesigen, besonders starken Gewitterwolke, die man Superzelle nennt. Die Tornado-Entstehung läuft in vier Schritten ab:

  1. Warme und kalte Luft treffen sich: Am Boden ist es sommerlich warm und schwül. Weiter oben am Himmel ist es dagegen eisig kalt. Die warme Luft will blitzschnell nach oben sausen (Konvektion).

  2. Der Wind dreht durch: Jetzt kommt die Windscherung ins Spiel. Das bedeutet: Am Boden weht der Wind ganz anders und viel langsamer als weit oben im Himmel. Durch diesen Unterschied fängt die aufsteigende Luft plötzlich an, sich im Kreis zu drehen.

  3. Die Wolke beginnt zu kreisen: Die ganze Gewitterwolke fängt nun an, sich wie ein riesiges Karussell zu drehen.

  4. Der Pirouetten-Effekt: Kennst du Eiskunstläuferinnen? Wenn sie die Arme eng an den Körper ziehen, drehen sie sich plötzlich superschnell. Genau das passiert in der Wolke! Der Wirbel wird enger und dadurch rasend schnell. Schließlich sinkt der Schlauch als Tornado zum Boden.

Was ist ein Tornado und wie unterscheidet er sich zum Orkan?

Gewitter mit Tornado über Land.
Gewitter mit Tornado über Land.

Viele Menschen verwechseln diese beiden Stürme, aber es gibt einen riesigen Unterschied zwischen Tornado und Orkan:

  • Der Tornado ist ein kleiner, schmaler Rüssel. Er ist oft nur so breit wie ein Fußballfeld und zieht nach ein paar Minuten weiter. Aber dort, wo er langläuft, ist er unglaublich stark.

  • Ein Orkan ist kein Rüssel, sondern ein riesiges Sturmgebiet. Er ist Hunderte von Kilometern groß und fegt über ganze Länder hinweg – manchmal tagelang. Ein Orkan ist einfach ein normaler Sturm, der aber extrem schnell ist (nämlich über 118 Kilometer pro Stunde).

Wo gibt es die häufigsten Tornados?

Die meisten und stärksten Rüsselstürme der Welt gibt es in den USA, in einer Gegend, die man Tornado Alley nennt. Dort knallen die kalte Luft aus dem Norden und die warme Luft aus dem Süden besonders heftig aufeinander. Das sorgt für viele extreme Wetterereignisse.

Schon gewusst? Auch bei uns in Deutschland gibt es Wirbelstürme! Sie sind zwar meistens viel schwächer als in Amerika, aber die Wetterforscher zählen bei uns trotzdem ungefähr 20 bis 60 Tornados pro Jahr.

Wie stark kann ein Tornado werden?

Gewitterwolke
Eine Gewitterwolke baut sich auf.

Ein starker Tornado hat unvorstellbare Kraft. Schwache Wirbel pusten nur die Gartenstühle um oder klauen ein paar Dachziegel. Die echten Monster-Tornados können aber Autos wie Spielzeugautos durch die Luft wirbeln und sogar ganze Häuser zerstören. Die Luft im Rüssel dreht sich manchmal mit über 500 Kilometern pro Stunde – das ist viel schneller als ein Formel-1-Rennwagen!

Was ist die Fujita-Skala?

Weil man sich nicht mit einem Messgerät in den Sturm stellen kann, messen Forscher die Stärke der Stürme an den Sturmschäden, die sie hinterlassen. Dafür nutzen sie die Fujita-Skala (oder kurz: EF-Skala). Sie geht von EF0 bis EF5:

  • EF0 (Schwach): Kleine Äste brechen ab, Mülltonnen fliegen um.

  • EF1 (Mäßig): Dachziegel fliegen weg, Wohnwagen kippen um.

  • EF2 (Bedeutend): Große Bäume knicken um, Autos werden verschoben.

  • EF3 (Schwer): Dächer fliegen komplett weg, Wände stürzen ein.

  • EF4 (Verheerend): Ganze Häuser werden plattgemacht.

  • EF5 (Unglaublich): Das absolute Monster. Häuser fliegen komplett weg und Autos fliegen wie Geschosse durch die Luft.

Welche Auswirkungen haben Tornados?

Die schlimmsten Auswirkungen von Tornados entstehen durch Gegenstände, die in der Luft herumfliegen. Wenn der Wind Bretter, Steine oder Glasscherben mitreißt, fliegen sie so schnell wie Gewehrkugeln durch die Gegend. Außerdem bringen die Gewitterwolken oft riesigen Hagel und Sturzbäche aus Regen mit.

Wie erkenne ich einen Tornado?

Fantasie-Bild zu einem Tornado.

Wenn du draußen bist, kannst du auf diese Frühwarnzeichen achten:

  • Der Himmel verfärbt sich unheimlich dunkelgrün oder tiefschwarz.

  • Eine kleine Wolke hängt wie eine Beule unter der großen Gewitterwolke (die Mauerwolke) und dreht sich.

  • Es hagelt plötzlich riesige Eisbrocken und danach wird es totenstill.

  • Du hörst ein lautes, tiefes Brummen oder Rauschen, das klingt wie ein Güterzug oder ein startendes Flugzeug.

Wie verhalte ich mich beim Auftreten eines Tornados?

Gibt es eine Tornado-Warnung oder siehst du einen Rüssel am Himmel? Dann musst du sofort handeln! Das richtige Verhalten bei Tornado schützt dich:

  • Im Haus: Geh sofort in den Keller! Wenn es keinen Keller gibt, verstecke dich in einem Raum ohne Fenster mitten im Haus (zum Beispiel im Badezimmer oder Flur). Beschütze deinen Kopf mit dicken Kissen oder einer Matratze.

  • Im Auto: Ein Auto ist bei einem Tornado lebensgefährlich. Steig aus und suche Schutz in einem festen Haus.

  • Im Freien: Wenn kein Haus in der Nähe ist, lege dich flach in einen tiefen Graben oder eine Mulde im Boden. Halte die Hände über deinen Kopf und bleibe fern von Bäumen, die umkippen könnten.

Quellennachweis:

Tornado
So sieht ein Tornado aus der Nähe aus.
  • Deutscher Wetterdienst (DWD): Themenseiten zu Tornado, Windhose und Gewitterstrukturen. Online verfügbar unter dwd.de (Zentrale Anlaufstelle für die offiziellen Tornado-Fallzahlen und Warnkriterien in Deutschland).

  • National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) / Storm Prediction Center (SPC): The Enhanced Fujita Tornado Scale (EF Scale) & Tornado FAQ. Online verfügbar unter spc.noaa.gov (Internationale Standardquelle für die physikalischen Grundlagen der Tornado-Entstehung aus Superzellen und die Definition der EF-Skala).

  • TorDACH (Netzwerk für Tornado- und Climatological Research im deutschsprachigen Raum): Statistiken und Chronik der Tornados in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

  • European Severe Storms Laboratory (ESSL): European Severe Weather Database (ESWD). Online verfügbar unter eswd.eu (Wissenschaftliche Datenbank zur Erfassung von extremen Wetterereignissen und Wirbelstürmen in Europa).